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Sorgen um die Zukunft

Sorgen um die Zukunft
Data publikacji: 2019-10-03 12:55
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Am 7. September fand in der Marienkirche in Chojna im Rahmen der Tage der Integration und Ökumene der dreißigste ökumenische Gottesdienst statt. Dort fielen sehr wichtige Worte. Schade, dass so wenige Menschen vor allem aus Chojna und Umgebung sie gehört haben.

Der erste ökumenische Gottesdienst in der Ruine der mächtigen Kirche wurde vor dreißig Jahren organisiert, noch vor dem Fall der Berliner Mauer. Bevor er stattfinden konnte, mussten Trümmer beiseite geräumt werden.

Niemandem kann das gleichgültig sein

Pastor Bert Schwarz aus Hannover erinnerte zu Beginn des Gottesdienstes am 7. September 2019 an den 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs, als das deutsche Heer ohne Ankündigung Polen überfiel. Er erwähnte das Treffen des polnischen und deutschen Präsidenten am 1.9.2019 in Wieluń. Frank-Walter Steinmeier bat dort die Polen um Vergebung für das Leid, das ihnen die Deutschen während des Krieges angetan haben.

Pastor Schwarz erklärte, der 1. September bewege die Menschen auf beiden Seiten der Oder immer noch tief. Vielen von ihnen habe der Krieg ihre Nächsten genommen, Häuser und Errungenschaften ganzer Generationen zerstört. Den heutigen Generationen seien diese Kriegstragödien zum Glück nur noch aus Erzählungen und Büchern bekannt.

„Wir, die wir den Krieg erlebt haben, möchten die Opfer und auch ihre Nachkommen um Verzeihung bitten. Um Vergebung für Taten, die allerdings nur schwer zu vergeben sind. Der 80. Jahrestag sollte für uns Lebende ein Anstoß zum Nachdenken sein und dazu unsere Blicke auf die sinnlosen Tode zu richten, sowohl in der Vergangenheit als auch heute. Die globale Verkettung des Schicksals aller Völker führt heute dazu, dass bewaffnete Konflikte etwa im Nahen Osten oder in Afrika auch unsere Länder betreffen. Deshalb kann uns auch aus Sorge um unsere Interessen das Schicksal der im Mittelmeer ertrinkenden Menschen, der an den Kriegsfronten in Afghanistan, Syrien und Afrika sterbenden Menschen, nicht gleichgültig sein.”

Er sprach auch über den Jahrestag des Wiederaufbaus der Marienkirche in Chojna. „Vor 30 Jahren trafen sich Jugendliche aus Deutschland und Polen in den Kirchenruinen, um nach gemeinsamer Arbeit bei der Trümmerbeseitigung einen Gottesdienst zu feiern. Eben damals entstanden unsere ökumenischen Gottesdienste, kurz vor dem Ende des Kalten Krieges. Wenn ich an die Wirkung des damaligen ersten Treffens denke und sehe, wie das Lebenswerk von Günther Kumkar und Antoni Chodakowski wächst, bin ich voller Dankbarkeit. Damals war der Wunsch nach Versöhnung zwischen unseren Völkern das Motiv. Gleichzeitig träumten wir von einem friedlichen und gerechten Europa.”

Trümmer räumen 1988

Die Jugendlichen aus Deutschland und Polen begannen 1988 damit, die Trümmer der Kirche weg zu räumen, obwohl das Treffen in der Ruine schon früher organisiert worden war. Der Wiederaufbau der gotischen Kirche war ein Traum von Günther Kumkar, Architekt in Hannover, der noch vor dem Krieg eben dort getauft worden war. Diesen Traum teilte der damalige Pfarrer Antoni Chodakowski aus Chojna. 1994 wurde die deutsch-polnische Stiftung Marienkirche in Chojna-Königsberg/Neumark, die sich mit den Plänen zum Wiederaufbau beschäftigte, in Stettin registriert. In Hannover entstand der Förderverein für den Wiederaufbau der Marienkirche in Königsberg/Neumark e.V. Seit 1989 werden in der Marienkirche jedes Jahr deutsch-polnische, ökumenische Gottesdienste abgehalten. Dem schon verstorbenen Günther Kumkar wurde die Ehrenmitgliedschaft in Chojna für sein Engagement beim Wiederaufbau der Kirche verliehen, ebenso wie seiner Frau Rosemarie Kumkar und Peter Helbich, dem jahrelangen Vorsitzenden der Stiftung Marienkirche in Chojna-Königsberg/Neumark.

Lehren aus der Geschichte

Über beide Jahrestage sprach auch Pastor Florian Schwarz, Sohn des Pastors Bert Schwarz. Als Jugendlicher hatte er sich an der Arbeit der Trümmerbeseitigung beteiligt.

„Vor 30 Jahren sind wir als Jugendliche hierher gekommen. Wir wollten zeigen, dass wir – damals jugendliche Deutsche – Lehren aus der Geschichte gezogen haben. Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir die Tradition der Missachtung des polnischen Volks nicht fortsetzen wollten. Wir haben das mit dem Aufbau dieser Kirche getan, mit Gesprächen, mit Zeit, die wir mit den Jugendlichen aus Chojna verbracht haben. Und nach und nach schien ein Vertrauen zu wachsen. Ein Vertrauen darauf, dass man nun keine Angst mehr vor den Deutschen haben musste, die Jahr für Jahr hierher kommen. Vor den Deutschen, die immer noch und immer wieder von Königsberg sprechen, anstatt den Namen zu verwenden, den diese Stadt heute trägt. Vor den Deutschen, von denen viele diesen Ort als ihre Heimat bezeichnen. Das Vertrauen wuchs, eine zarte Pflanze zuerst, die jedoch in 30 Jahren heranwuchs und Früchte trug.”

Pastor Florian Schwarz fuhr fort: „Liebe Einwohner von Chojna, liebe Partner in der Ökumene. Sie alle haben es uns Deutschen leicht gemacht und unsere Bemühungen um ein neues Verhältnis zwischen Deutschen und Polen angenommen. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass es in diesen dreißig Jahren einen Moment gab, in dem die Schuld, die mein Volk auf sich geladen hat, deutlich ausgesprochen und mit der Bitte um Verzeihung verbunden wurde.”

Bitte um Vergebung

Florian Schwarz wurde 1977 geboren. Bevor er wie sein Vater Pastor wurde, war er Sozialarbeiter in den Niederlanden, Radiojournalist, Künstler. Heute ist er 42 Jahre alt. Es ist nicht das erste Mal, dass er zusammen mit seinem Vater nach Chojna kommt. In der Kirche herrschte ergriffene Stille, als er sprach: „Als wir diesen Gottesdienst vorbereiteten äußerte ich meinen Wunsch nach einem deutlichen Schuldbekenntnis der Deutschen in diesem Gottesdienst. Auf meine Bitte hin meinte der Erzbischof von Stettin, Andrzej Dzięga, das läge doch hinter uns, das Vertrauen sei doch gewachsen, das sei doch nicht mehr nötig. Aber wenn ich das unbedingt wollte, dann würde diese Bitte um Verzeihung angenommen. Es geht mir jedoch nicht darum, ob diese Bitte um Verzeihung angenommen wird. Es geht mir einzig und allein darum, sie auszusprechen. Und auch wenn Erzbischof Dzięga mir gesagt hätte, ‚Nein, Herr Schwarz, wir werden diese Bitte nicht annehmen!’, hätte ich diese Bitte um Verzeihung heute aussprechen wollen. Vielleicht ist es das, was mich die Bibel lehren will: die eigene Schuld zu bekennen und zu tragen, auch dann, wenn mir nicht vergeben wird. So will ich es tun. Ich würde mich freuen, wenn die deutschen Besucher dieses Gottesdienstes sich dazu erheben.”

Nachdem sie aufgestanden waren, fuhr er fort: „Menschen von Chojna. In dem Wissen, was unsere Eltern und Großeltern Ihrem Volk angetan haben, in dem Wissen, dass es gegen alles war, was Christus uns gelehrt hat, in dem Wissen, dass es nichts gibt, das wir tun könnten, um eine solche Schuld auszugleichen, bitten wir Sie um Vergebung. Und wir verpflichten uns, ganz unabhängig davon, ob Sie uns verzeihen oder nicht, alles uns Mögliche zu tun, dass ein solches Unrecht nie wieder möglich sein wird. Amen.”

Damit nationalistische Tendenzen auf beiden Seiten nicht alles zerstören…

Etwas später sagte eine junge Deutsche während des Gebets der Gläubigen: „Wir beten auch für unsere Kirche, ob evangelisch oder katholisch. Herr, hilf uns einen Weg in dieser Welt zu finden, die immer komplizierter wird. Was gestern sicher war, ist es heute schon nicht mehr. Schärfe unseren Blick auf das Wesen unseres Glaubens. Leite uns dabei, den Weg des Friedens zu suchen und ihm zu folgen. Lass uns, in unterschiedlichen Bekenntnissen, den Weg zu Dir finden. Schenke uns die Fähigkeit voneinander zu lernen, damit wir aus eigenen Fehlern lernend dem Weg des Friedens folgen können. Wir beten für die heutigen wie für die ehemaligen Einwohner von Chojna/Königsberg. Gestatte uns, gegenseitiges Vertrauen zu bewahren. Lass nicht zu, dass nationalistische Tendenzen auf beiden Seiten der Oder das zerstören, was wir erfolgreich aufbauen konnten.”

Treffen dreier Welten

Am 7. September nahmen zwei Teilnehmer des Jugendtreffens vor drei Jahrzehnten am Gottesdienst teil: Der damalige Chojnaer Schüler Krzysztof Ślebzak, heute Professor an der Mickiewicz Universität in Posen und Matthias Brodtmann, heute Lehrer in Bad Münder bei Hannover. Er ist dort stellvertretender Schuldirektor, die Schule wurde vor einigen Monaten mit dem Schüler-Friedenspreis ausgezeichnet.

Professor Ślebzak sagte: „Vor 29 Jahren wurde die Deutsch-Polnische Jugendakademie gegründet, die den symbolischen Beinamen ‚Brückenbau’ trug. Das waren Treffen von Jugendlichen aus Chojna, Hannover und Bad Freienwalde – aus Polen, aus dem Westen und Osten Deutschlands. Deswegen erinnere ich mich an sie als Treffen dreier Welten, dreier Kulturen, dreier Historien, dreier Blickwinkel auf die Welt.

Matthias Brodtmann erinnerte daran, dass auf dem damaligen Treffen in Chojna die Kommunikationsprobleme zwischen den Gruppen aus Westdeutschland und der DDR sehr viel größer waren als die zwischen den deutschen Jugendlichen aus Hannover und denen aus Chojna.

Den Blick in die Zukunft richten

Am Ende der Feierlichkeiten bedankte sich Bischof Prof. Henryk Wejman bei den Initiatoren der ökumenischen Gottesdienste und den jungen Deutschen und Polen, die vor 30 Jahren „einander ihre Herzen öffneten und ihre Blicke in die Zukunft richteten”.

„Eure Offenheit und Hoffnung auf die Zukunft ermöglichte die Treffen und Gottesdienste, aber vor allem schufen sie gegenseitiges Vertrauen unter uns. An die tragischen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs wollen wir uns immer erinnern, aber wir wollen auch die Zukunft aufbauen, gestützt auf Vertrauen, Wahrheit und Freundschaft.”

Er wandte sich auch direkt an Pastor Florian Schwarz: „Verehrter Herr Pastor, wir nehmen die von Ihnen geäußerte Bitte um Verzeihung an und öffnen unsere Herzen. Sichtbares Zeichen dieser Offenheit und des wachsenden Vertrauens unter unseren Völkern ist die Marienkirche in Chojna. Das ist nur ein Gebäude, aber in diesen Mauern können wir uns treffen und unsere persönlichen, auf Vertrauen gestützten Beziehungen für die Zukunft ausbauen.”

Symbol der Zusammenarbeit oder ihres Erlöschens?

Die berührenden und notwendigen Worte während des Gottesdienstes können die dunklen Wolken über dem Werk, das vor 30 Jahren begonnen wurde, jedoch nicht verdecken. Bei dem gemeinsamen Wiederaufbau der Marienkirche war und ist ein wesentliches Problem die ständige Sorge um die Beschaffung finanzieller Mittel zur Weiterführung dieses mächtigen Werks.

Aber Quelle des wesentlichsten Problems ist die immer noch fehlende konkrete, gemeinsame Vision für dieses Gebäude, das bisher nur selten belebt ist und das nicht wirklich in Übereinstimmung mit der Idee von Integration und Ökumene. Eigentümer der Kirche ist das Erzbistum Stettin-Cammin, das die Nutzung für 50 Jahre an die deutsch-polnische Stiftung zum Wiederaufbau der Marienkirche übertragen hat, weswegen es einfacher ist, Finanzmittel von außerhalb zu gewinnen. Im Vorstand der Stiftung geht es auch nicht ohne Konflikte zu.

Wie soll es also weitergehen? Die geringe Zahl der Anwesenden beim letzten ökumenischen Gottesdienst sollte man als Alarmzeichen verstehen. Waren die Katholiken in Chojna ausreichend über den stattfindenden Gottesdienst informiert? Haben sie sich dafür interessiert?

Der vor mehr als einem Vierteljahrhundert begonnene Wiederaufbau der Marienkirche, eine der schönsten gotischen Kirchen in unserem Teil Europas, ein Werk von Heinrich Brunsberg, war ein Symbol für die friedliche Koexistenz beider Völker im ganzen deutsch-polnischen Grenzgebiet.

Wird sie jetzt zum Symbol des Erlöschens der Zusammenarbeit?

* * *

Ähnliche Probleme verkomplizieren auch den Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche in Gubin, die ebenfalls gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zur Ruine wurde. In Gubin wurde nur der Turm wieder aufgebaut und für Touristen geöffnet.

Möglicherweise wird die Kirche in Wieluń wieder aufgebaut. Sie wurde am 1.9.1939 von der deutschen Luftwaffe bombardiert und später von den Besetzern in die Luft gesprengt.

Robert RYSS, (b.t.)

Rober Ryss ist Chefredakteur der Wochenzeitung „Gazeta Chojeńska”.

Aus dem Polnischen von Ruth HENNING

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